Was ist MASORTI ?
Masorti (hebräisch = „traditionell“) ist eine Richtung des Judentums, die im 19. Jh. in Deutschland entstanden ist (Rabbinerseminar in Breslau) und die das traditionelle jüdische Recht (Halacha) mit moderner, kritischer Forschung und dem Bekenntnis zur Gleichberechtigung verbindet. Es ist die in Europa übliche hebräische Bezeichnung für das „conservative Judaism“ in den USA. Das Masorti-Judentum bietet einen zentristischen Ansatz, der den Respekt vor der Tradition mit Offenheit für den Wandel der Zeit in Einklang bringt. Es zeichnet es sich durch egalitäre Gottesdienste (Frauen und Männer sind liturgisch gleichberechtigt) und einladende Gemeinschaften aus.
Informationen zu Masorti-Judentum in Deutschland finden sie hier.
Zum internationalen Verbund Masorti Olami siehe hier.
Zu Masorti UK siehe hier.
Zu Conservative Judaism siehe hier.
Masorti bedeutet, die jüdische Tradition und die Gegenwart des 21. Jahrhunderts immer wieder neu zu einem fruchtbaren Gespräch zu bringen. Dabei ist die Halacha der verbindliche Rahmen, in dem sich jüdisches Leben über die Jahrhunderte hinweg entwickelt und gleichzeitig selbst treu bleibt. Die folgenden Prinzipien verbinden die Masorti-Gemeinden/conservative judaism weltweit:
Elu we-elu — אלו ואלו
„Diese und jene“ – ist der Anfang eines berühmten Satzes im Talmud, wo es nach einer Meinungsverschiedenheit heißt: „Diese und jene sind Worte des lebendigen Gottes.“ Masorti steht für die Vielfalt jüdischen Lebens: Halacha war schon immer pluralistisch. Masorti ist auch in sich vielstimmig, innerhalb eines Rahmens, den das Halacha-Komitee des Rabbinerverbandes festlegt. Hierzu gehört z.B., dass jüdisch ist, wer eine jüdische Mutter hat oder gemäß der Halacha ins Judentum eingetreten ist. Kinder jüdischer Väter und nichtjüdische Partner sind Teil der jüdischen Familie und in unseren Gemeinden willkommen.
Kijum Mizwot — קיום מצוות
„Das Halten der Mizwot“ – Der jüdische „Way of Life“ ist die Halacha. Im öffentlichen Raum der Gemeinden gelten verbindliche Regeln für Schabbat, Kaschrut und mehr. Gleichzeitig erkennen wir an, dass jeder Jude und jede Jüdin auf einem eigenen jüdischen Weg unterwegs ist. Mizwot „bejn adam le-chawero“, zwischen Mensch und Mitmensch, und „bejn adam la-makom“, zwischen Mensch und Gott, die sich in Gebet und religiösen Handlungen zeigen, gehören zusammen.
Klal Israel — כלל ישראל
„Die Gesamtheit der jüdischen Gemeinschaft“ – „Kol Israel Arewin se ba se – Jüdinnen und Juden sind füreinander verantwortlich.“ Wir wissen uns miteinander solidarisch, unabhängig von der jeweiligen Meinung, und unterstützen deshalb vor allem im sozialen Bereich die Zusammenarbeit über ideologische Grenzen hinweg. Die Zusammenarbeit mit internationalen Masorti Organisationen ist dabei eine besonders fruchtbare Form des größeren Miteinander.
Sche-assani be-Zalmo — שעשני בצלמו
„Nach Gottes Bild geschaffen“ – Masorti steht für die volle Gleichberechtigung von Männern und Frauen, gerade auch im Gottesdienst. Wir anerkennen, dass Masorti International auch (noch) nichtgleichberechtigte Gemeinden einschließt, halten aber fest, dass die volle religiöse Gleichberechtigung für Masorti Deutschland ein unabdingbares Merkmal ist. Zur Vielfalt der Schöpfung gehören unterschiedliche sexuelle Orientierungen, Geschlechteridentitäten und Familienformen.
Talmud Tora — תלמוד תורה
„Studium der Tora“ – Die zentrale Rolle des Tora-Studiums, sowohl in traditionellen Formen als auch mit den Werkzeugen moderner Wissenschaft. Gelungenes jüdisches Leben für Einzelne und für Gemeinden braucht Wissen und eine darauf basierende, mündige und kritische Auseinandersetzung mit der eigenen jüdischen Identität.
Eretz Israel — ארץ ישראל
„Das Land Israel“ – Die Bedeutung des Landes Israel als Zentrum jüdischer Geschichte und Erfahrung – gerade auch in der tatsächlichen Verbundenheit durch Besuche und längere Aufenthalte und als verbindendes Element unserer Hoffnung. Diese Verbindung zum Land zeigt sich auch in der Betonung des Erlernens der hebräischen Sprache und das Benutzen hebräischer Begriffe, um jüdische Tradition und Gegenwart mit ihrem ganzen Resonanzboden erfahrbar zu machen.
Tikkun Olam – תיקון עולם
„Heilung der Welt“ – Gemeinsam mit Menschen anderer Religionen und Überzeugungen arbeiten wir an der „Heilung der Welt“ – daran, dass mehr Gerechtigkeit und Frieden entsteht und die Welt auch für zukünftige Generationen ein lebenswerter Ort ist.
