zizit

Schelach-Lecha

100 Millisekunden. Dann steht relativ fest, wie wir eine Person einschätzen: Wir beurteilen in diesen Millisekunden Haarfarbe und Frisur, Hautfarbe, Kleidung, Blick und Gesicht, hören die Stimme, riechen einen Duft und wissen: das ist ein guter Mensch. Oder: Die/Den mag ich nicht.

Der Wochenabschnitt aus der Tora für diese Woche, Schelach Lecha, zeigt, wie die Generation der Kinder Israels, die aus Mitzrajim befreit wurden, nach einem ersten Eindruck ihr Ziel verlor.

Da erkunden 12 Scouts den Weg, der vor der Gemeinschaft der Kinder Israels liegt und berichten sachlich: wir sahen riesige Städte, hohe Mauern, starke Menschen. Und die, die das hörten (aber nicht selbst gesehen hatten), verloren die Hoffnung, … und damit auch ihr Ziel. Sie werden nun in den nächsten Wochenabschnitten durch die Wüste irren und dort sterben. Erst die nächste Generation wird das Ziel erreichen. Also: das Ziel ist nicht komplett verloren, sondern nur für diese eine Generation.

Wir sollten anders handeln, könnte uns diese Geschichte lehren. Deshalb endet unser Wochenabschnitt mit der Mitzwa, dass wir uns Knoten an die Ecken von viereckigen Kleidungsstücken machen sollen, deshalb tragen wir beim Morgengebet einen Tallit. Die Quasten – die Zizijot – sollen wir sehen, “damit wir nicht herumspähen nach unserem Herzen und nach unseren Augen” und impulsiv unserem ersten Eindrücken folgen. Doch wie sollen wir denn sehen und urteilen?

Im Abschnitt Schelach Lecha hören wir etliche Sätze, die viele aus dem Jom Kippur Gottesdienst kennen: “Der Ewige ist langmütig und reich an Huld, er vergibt Schuld und Missetat, …” “Wajomer adonai: salachti kidwarecha“. “Es wird vergeben der ganzen Gemeinde der Kinder Israel und dem Fremdling, der unter ihnen weilt; denn bei dem ganzen Volke geschah es aus Versehen.”

Die Generation des ersten Eindrucks und der bewussten Missachtung des Schabbat starb in der Wüste. Aber die nächste Generation, die Generation der Zizijot, hat eine zweite Chance: es kann eine neue Gemeinschaft werden, geheilt durch Verantwortungsübernahme, Vergebungsbereitschaft und neuem Vertrauen. Nicht äußerliche Stärke oder Schwäche bringen uns gut zum Ziel (wie wir letzte Woche in der Haftara gelesen haben), sondern eine jeden Einzelnen wertschätzende Gemeinschaft. Dass wir nicht den Mut verlieren, vielleicht gibt uns unsere Parascha dazu neue Kraft für die nächste Woche.

[Haben Sie weitere Gedanken zu diesem Wochenabschnitt oder zur Haftarah? Oder Fragen dazu? Schreiben Sie einen Kommentar (siehe unten).

Für Kinder

Der Tora-Abschnitt für diese Woche heißt “Schelach-Lecha“. Das bedeutet: “Schicke doch aus!”

Der Abschnitt erzählt von 12 Spionen, die das Land Israel auskundschaften sollen und anschließend einen Bericht über das Land geben. Die Spione erzählen ganz sachlich, was sie gesehen haben. Die Kinder Israels sind erschrocken und bekommen Angst. Unser Wochenabschnitt erzählt aber auch von einer mutigen Frau, Rachab, die sich auf die Seite der Kinder Israel gestellt hat. Am Ende des Wochenabschnitts wird beschrieben, warum wir im Gottesdienst einen Tallit mit Zizijot tragen: damit wir nie vergessen, was immer wir auch um uns herum sehen oder hören, dass Gott uns aus der Versklavung in Ägypten herausgeführt hat und immer auf unserer Seite ist, wie ein Freund/eine Freundin: lema’an tiskeru

לְמַעַן תִּזְכְּרוּ וַעֲשִׂיתֶם אֶת־כׇּל־מִצְוֺתָי וִהְיִיתֶם קְדֹשִׁים לֵאלֹהֵיכֶם׃ אֲנִי ייאֱלֹהֵיכֶם אֲשֶׁר הוֹצֵאתִי אֶתְכֶם מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם לִהְיוֹת לָכֶם לֵאלֹהִים אֲנִי יי אֱלֹהֵיכֶם׃

Hier kannst du lernen, wie man Zizit macht.

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