Stell dir ein Land vor, das ruht,
Ein Land, das sagt: Genug.
Felder schweigen, die Erde erholt sich von Ackerbau und Pflug,
von der menschlichen Gier und Sorge.
Stell dir ein Land vor, das Schabbat hält.
Ein Land, das sich erquickt und feiert.
So stellt es sich unser Wochenabschnitt aus der Tora vor.
Er lehrt: Sechs Jahre kannst du dein Feld besäen,
deinen Weinberg beschneiden und die Früchte davon sammeln.
Im siebten Jahr aber soll das Land Schabbat haben,
eine Feier dem Ewigen zu Ehren.
Alles, was in diesem siebten Jahr frei und wild wächst,
gehört den Armen und den Fremden
und jedem, der am Feld oder Weinberg entlangspaziert.
Das Schabbatjahr war eine antike Sozialhilfe.
Stell dir Menschen vor,
die wissen: Was ich habe,
gehört nicht mir allein.
Denn das Land und die Natur gehört Gott –
und wir sind Gäste,
Fremde mit Verantwortung.
Nicht Herrscher und Eigentümer.
Zeit gehört nicht nur dem Kalender,
sie gehört auch der Gerechtigkeit.
Jedes 7. Schabbatjahr,
also jedes 50. Jahr: ein Juwel im Zyklus der Zeit:
Das Jowel-Jahr bedeutet: Allgemeiner Schuldenerlass.
Das Schofar posaunt es heraus: Freiheit von Schuld!
So endet diese Woche das dritte Buch der Tora.
Übrigens nur hier gibt es in der Tora ein Instrument mit dem Namen „Schofar“.
Schofar-Sound ist Freiheitsfanfare.
Jeder 7. Tag, jedes 7. Jahr, jedes 50. Jahr:
Ein Rhythmus, der uns lehrt:
Freiheit ist kein Ziel,
sie ist ständiges Werden,
ständiges Wachsen.
Wenn wir das Maß verlieren,
die Stimme der Erde überhören –
dann fällt Segen aus
dann wird das Land schweigen,
aus Schmerz.
So endet das dritte Buch der Tora.
Jeder Schabbat, jedes Schabbatjahr, jedes Jubeljahr:
die Vision eines Lebens im Gleichgewicht,
zwischen arbeiten und ruhen,
besitzen und loslassen,
sich um seinen Lebensunterhalt sorgen und in Zuversicht vertrauen,
zwischen den Aufgaben des Alltags und der Zeit für Göttliches.
Dieses Jahr ist zwar kein Schabbatjahr – das nächste kommt erst wieder 2028.
Aber Schabbat kommt, der 7. Tag,
der uns ein kleines bisschen von dieser großartigen Ruhe
auch schon heute erleben lässt.
Möge es ein perfekter Schabbat werden.
Schabbat Schalom.
Für Kinder
Der Tora-Abschnitt für diese Woche heißt “Behar-Bechukotai“. Das ist ein Doppelabschnitt aus zwei Abschnitten. Behar bedeutet: “Auf dem Berg!”, Bechukotai bedeutet “Nach meinen Satzungen”. Wir haben machmal im jüdischen Jahr solche Doppelabschnitte, weil es 54 Wochenabschnitte gibt, aber ein Jahr nur 52 Wochen hat. Wir brauchen aber 54 Abschnitt, weil es manchmal ein jüdisches Schaltjahr gibt mit einen Zusatzmonat, also ein Jahr mit 4 Wochen mehr. Weil wir aber jedes Jahr immer zweimal Schabbat während eines Festes haben (in der Pessach-Woche und in der Sukkot-Woche), brauchen wir nur 2 zusätzliche Abschnitte für normale Schabbatot in einem Schaltjahr. Dieses Jahr ist aber kein Schaltjahr, also haben wir Doppelabschnitte. Das bedeutet, die Toralesung ist diesen Schabbat etwas länger. (Keine Sorge, es ist nicht zu lang, denn die beiden Abschnitte sind kurz, deshalb kann man sie gut zusammen lesen.) Und der Name des Schabbats sind die beiden Namen der beiden Teile, aus denen der Abschnitt heute besteht.
SIEBEN QUIZFRAGEN ZUM WOCHENABSCHNITT

