Wir kennen Steuernummern, Postleitzahlen, Hausnummern, Telefonnummern, Kundennummern, Rechnungsnummern … Zahlen machen etwas individuell und gleichzeitig anonym. Zahlen sind keine Namen. Sie ermöglichen keine Beziehung. Aber wenn die Omerzeit jedem Tag Zahlen zuweist – Zahlen von Tagen und Wochen – dann schafft sie einen Bezug zur Zeit. Gleichzeitig macht sie Zeit zum Objekt, zu etwas, das wir gestalten und benutzen.
Die Omerzeit erinnert uns zur Zeit jeden Tag, dass jeder Tag singulär ist, jeder einzelne Tag ist besonders.
Ein Psalm aus dem Eingangsteil des Schabbatmorgengebets sagt (Ps 90,12): Lehre uns, dass unsere Tage zählen !
Es ist nicht jeder Tag wie der andere, eins wie’s andere. Während Corona hatten manche Probleme zu wissen: ist heute Montag oder Mittwoch? Denn wenn alle Tage gleich sind, dann ist kein Tag mehr besonders, dann ist alles eine einzige endlose Plätscherei von Zeit.
Die jüdische Gemeinschaft bekommt nach dem Auszug in die Freiheit eine Struktur der Zeit, vor allem in Form von drei Geboten – zwei davon in unserer Parascha:
Heiligt den Schabbat ! Und: “Ihr zählt alsdann vom anderen Tag des Feiertags, von dem Tag, an dem ihr das Omer dargebracht habt, sieben ganze Wochen. Bis auf den Tag nach siebten Woche zählt ihr fünfzig Tage.” (3. B.M. 23,15-16). Das dritte Gebot für den Umgang mit der Zeit steht in 2. B.M. 12,1: Dieser Monat sei euch der erste.
Wir zählen also die Monate nach dem Auszug aus Ägypten, die Tage nach Schabbat und die Jahre nach der Erschaffung des Menschen.
Jüdisch sein ist ein bewusster Umgang mit Zeit, es würdigt damit das Leben, in jeder Sekunde.
Zur Strukturierung der Zeit dienen unsere Feste, die im Wochenabschnitt Emor aufgelistet werden, und unsere Gebete. Sie sind zeitgebunden und strukturieren die Tage und Stunden des Tages. Mit den täglichen Gebeten begleiten wir die ersten Stunden des Lichts am Tag und die Dämmerung und die Nacht. Mit Schabbat geben wir den Tagen Struktur. Durch unsere Feste gestalten wir die Monate.
Für Kinder
Der Tora-Abschnitt für diese Woche heißt “Emor”. Das bedeutet: “Sprich!” Der Abschnitt nennt viele unserer Feste. In dem Quiz siehst du ganz alte Bilder aus einem Buch von vor über 300 Jahren. Kannst du erkennen, welches Fest auf welchem Bild gezeigt wird?

